Europa 1047: Die Menschen sind verzweifelt uns leben in Angst. Ein mächtiger Zauber hat das Diesseits vom Himmelreich getrennt, weswegen die Seelen der Verstorbenen nicht ins Jenseits übertreten können, sondern im Limbus gefangen sind oder im schlimmsten Fall als Monster auf die Erde zurückkehren und die Hinterbliebenen terrorisieren. Es sind dunkle Zeiten. Der Orden des Lichts entsendet einen ihrer Ritter – Gabriel Belmont – zum See des Vergessens, um dort Kontakt zu seiner verstorbenen Frau Marie aufzunehmen. Die Ältesten des Ordens hoffen, dass sie Gabriel sagen kann, wie das Übel wieder gebannt werden kann. Am See angekommen erfährt er, dass er an drei heilige Orte reisen muss, an denen eine starke spirituelle Verbindung zu Gott besteht. Doch werden diese Stätten von den Schattenfürsten bewacht und Gabriel wird sich ihnen stellen müssen, wenn er die Welt retten und seine Frau wiedersehen will.
Castlevania: Lords of Shadow wirkt auf den ersten Blick wie alle anderen Hack-and-Slay-Spiele, die dreist God of War kopieren, ohne dabei Eigenkreativität zu beweisen. Bei näherem Hinschauen bemerkt man aber mitunter kleine aber entscheidende Unterschiede. Statt den großen Kombos hinterherzujagen kommt es stattdessen darauf an, den Gegner zu beobachten, im richtigen Moment zu kontern/auszuweichen und dann zurückzuschlagen. Das klingt zwar unbedeutend, beeinflusst das Spielgefühl aber deutlich, da man mit einfachem Draufhauen nicht weit kommt. Als Waffe dient euch das Battlecross, ein Kreuz, mit einer im Innern verborgenen Kettenklinge. Genau wie die Gyrosmesser des bleichen Griechen ist diese Waffe ein wahres Multifunktionswerkzeug. Ihr reißt Wände ein, nutzt sie als Enterhaken oder zähm mit ihr wilde Bestien. Die Möglichkeiten sind zahlreich und notwendig, um durch die mitunter sehr groß geratenen Level zu gelangen.
Ist der Gegner genug geschwächt genügt ein Tastendruck und es kommt zum Finish-Move. Hierbei muss man – neben dem bekannten Malträtieren von Knöpfen – im richtigen Moment eine Taste drücken (welche ist in diesem Moment egal), bevor die Zeit verlischt. Klingt einfach, im Verlaufe der Geschichte wird das Zeitfenster aber immer kleiner und wenn ihr es bei einem Endgegner verhaut, endet es sofort im Bildschirmexitus. Denn auch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist das Spiel fordernd und die Gegner schenken euch nichts.
Im weiteren Verlauf findet ihr noch einige Utensilien, mit denen ihr den Gegner zusätzlich auf die Pelle rücken könnt. Sind die Wurfmesser anfangs noch eher normal, schickt ihr zur Ablenkung kleine Feen los, bewerft Angreifer mit Weihwasser oder beschwört – wenn ihr den dafür nötigen Kristall besitzt – sogar einen mächtigen Dämon, welcher den Feld für euch von Monstern säubert.
Da ein von Gott auserwählter Recke natürlich nicht nur über irdische Waffen verfügen darf, erhaltet ihr ziemlich schnell die Schatten- und Lichtmagie. Aktiviert ihr die helle Macht, erholt sich eure Gesundheitsleiste mit jedem Schlag, den ihr einem Gegner verpasst. Das dunkle Gegenstück verstärkt eure Angriffe immens. Klingt ebenfalls sehr einfach, passt jedoch wunderbar ins Spielkonzept, geht einfach von der Hand und wird ab und zu auch für Rätsel benötigt. Sind eure Reserven alle, könnt ihr diese mithilfe von neutralen Orbs wieder aufladen, welche von besiegten Gegnern fallen gelassen werden. Echte Profis verwenden aber lieber ihre Fokusanzeige, die sich mit jedem erfolgreichen Angriff auflädt. Ist sie voll, verlieren eure Widersacher bei jedem Schlag Orbs. Diese könnt ihr auf Knopfdruck aufnehmen, doch Vorsicht: werdet ihr getroffen ist der Fokus dahin und ihr müsst wieder von vorne anfangen.
Habt ihr einen größeren Gegner genug geschwächt, könnt ihr auf diesem sogar reiten und mit dessen Hilfe die kleineren Feinde niedermachen. Im Gegensatz zum Vorbild GoW ist das aber nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern stellenweise sogar vonnöten, um weiter zu kommen. Mit Spinnen baut ihr aus deren Fäden eine neue Brücke, auf dem Rücken eines Riesenwildschweins rammt ihr mächtige Tore ein und mithilfe eines Wargs überwindet ihr selbst die größten Abgründe. Winkt das Spiel hier regelrecht mit dem Baumstumpf sind die anderen Rätsel echte Kopfnüsse. Selten wiederholt sich ein Schema, immer seid ihr vor neue Herausforderungen gestellt, doch – nett wie das Spiel ist – gibt es auch einen Hinweis, wie man an das Rätsel heranzugehen hat.
Begeistern kann Castlevania auch in Sachen Technik. Die Grafik sieht schön aus, das Gegnerdesign ist einfalls- und abwechslungsreich und der Soundtrack immer stimmig. Ordentlich auf die Ohren gibt es auch bei den Sprechern, denn Konami ist es gelungen, neben Robert Carlyle auch Patrick Stewart und Jason Isaacs zu verpflichten, die alle großartige Arbeit leisten. Einzig die festmontierte Kamera ist ein Wermutstropfen. Ab und zu verspringt ihr euch, überseht eine Leiche (diese sind quasi die Schatztruhen des Spiels) oder werdet plötzlich von einem Gegner überrascht. In den Endgegnerkämpfen leistet die Actionkamera – funktioniert wie ein dauerhafter Autofokus – großartige Arbeit und lässt in Kombination mit dem bereits angesprochenen Soundtrack euren Adrenalinpegel höher steigen.
Unterm Strich bietet Castlevania: Lords of Shadow eine wunderschön erzählte, tiefgründige Geschichte mit viel Potential, eine großartig funktionierende Steuerung, einen fordernden Schwierigkeitsgrad und liebevoll gestaltete Figuren. Man sollte nicht den Fehler machen, dieses Spiel als bloßen GoW-Klon abzutun und gerade Spieler, die von Dante’s Inferno enttäuscht waren, sollten hier zugreifen.
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Ich hatte ja immer so ein wenig Angst vor dem Titel – so von wegen ist ja eh alles nur von God of War und sonstigen geklaut. aber wenn du mir das alles so schmackhaft machst, dann sollte ich mir das Spiel wohl doch noch zulegen. Immerhin müssen wir ja noch zwei Wochen warten bis der Batman ins Haus fliegt
Exakt und aufgrund der momentanen finanziellen Lage vielleicht sogar nocht länger. :O
Ich habe zum Glück schon vor längerem vorbestellt. Eben wegen der finanziellen Lage
Wenn ich jetz so die Wertungen für den Flattermann lese, hätte ich das mal lieber auch machen sollen. ^^
Wie? Ich dachte, du wärst auch ein “Arkham Asylum”-Jünger. Da muss man keine Wertungen lesen, um auf den neuen Flattermann freudig erregt zu warten
Freudige Erregung war stets vorhanden, aber so gute Wertungen habe nicht mal ich erwartet. ;D