Frieden ist ja schön und gut, doch wenn man einen Spieler fragt, ob er in einer Haribotraumwelt Gemüse anpflanzen und bedrohte Spezies retten oder lieber mit dem Schießprügel durch die Gegend rennen und alles plattmachen will, was bei drei noch aufrecht stehen kann, wird die Antwort bei den meisten gleich ausfallen. Action ist das Gebot der Stunde. Deshalb wir der Videospielemarkt jährlich mit unzähligen Shootern überhäuft, die im Endeffekt aber alle nur das gleiche Wasser kochen. Die Story ist selten auch nur einen Hauch tiefgründiger als Kritzeleien auf Bahnhofstoilettenwänden und der einzige wahre Kaufgrund ist am Ende eh nur der Multiplayer. So einfach, so öde. Vanquish – das neueste Werk der noch recht jungen Entwicklerschmiede Platinum Games – sticht aus dem Shootereinheitsbrei wie ein Paradiesvogel hervor und zeigt im Stile von Dante und Bayonetta, dass das Genre durchaus noch Neuheiten und motivierende Kampagnen bieten kann.
In einer alternativen Zeitlinie hat sich die Erdbevölkerung so rasant vermehrt, dass sich satte 10 Milliarden Menschen um die raren Ressourcen bekriegen. Die USA – Fuchs wie sie doch ist – hat als Notlösung die Raumstation Providence ins Leben gerufen, welche fortan im Orbit kreist und durch fortschrittlichste Solartechnik betrieben wird. Als wäre der Kalte Krieg jedoch nie beendet worden, wird die Station von einer russischen Organisation namens „Orden des Russischen Sterns“ in Beschlag genommen und die Solartechnologie kurzerhand zur Massenvernichtungswaffe umfunktioniert. San Francisco zu Wasser und Matsch geschmolzen, verlangen die bösen, bösen Russen nun die bedingungslose Kapitulation der USA, sonst ist New York das Ziel. Die letzte Weltmacht lässt sich das natürlich nicht gefallen und sendet ihre besten Truppen gen Providence und da James Bond den Amerikanern wohl nicht helfen will, werden die Marines vom DARPA-Entwickler Sam Gideon und seinem ARS (Augmented Reaction Suit) begleitet.
Die Story ist genretypisch kein großer Wurf und auch die Funksprüche während der Missionen lassen erkennen, dass sich das Spiel nicht allzu ernst nehmen will. Ernst nimmt es dafür euer Herangehen an den Feind. Versucht man es nämlich zunächst mit altbekannten Techniken wie Deckung suchen, rollen und Feuern was das Zeug hält, wird einem nach dem gefühlt hundertsten Bildschirmtod klar, dass man die ganze Sache etwas anders angehen muss. Hier kommt euer Superanzug zum Zuge, mit dem ihr flugs über das Schlachtfeld düst, die Zeit verlangsamt und selbst den größten Blechhaufen eure stählerne Faust schmecken lasst. Um das ganze natürlich nicht zu einfach zu machen, verbrauchen die genannten Aktionen Energie und lassen euren Anzug bei übertriebener Nutzung schnell überhitzen. Ist dieser Fall eingetreten, solltet ihr euch besser nicht auf freiem Feld befinden, da euch die – sich gar nicht mal so dumm verhaltenden – Robotergegner auf’s Korn nehmen und in Blitzeschnelle über den Jordan schicken. Nehmt ihr dabei zu viel Schaden verlangsamt das Spiel die Zeit automatisch, was euch ein wenig Luft verschafft. Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn der Anzug nicht schon überlastet ist und das kann bei den mitunter ziemlich groß geratenen Gegnern schneller passieren als euch lieb ist.
Natürlich verlässt man sich auch noch in der Zukunft auf den in der Einleitung erwähnten Schießprügel. Vom einfachen Sturmgewehr, über das Scharfschützengewehr, Raketenwerfer, Laser und Diskwerfer stehen euch acht verschiedene Waffentypen zur Verfügung, mit denen ihr den Gegnerhorden Saures geben könnt. Euer Waffensystem kann allerdings nur drei Waffen speichern, weswegen ihr je nach Gegner entscheiden müsst, welche ihr lieber ablegt/ausrüstet. Obendrauf gibt es dann noch zwei Granattypen; EMP- und normale Splittergranaten. Besagte Waffen findet ihr in überall verstreuten Kanistern und auch der ein oder andere Feind lässt ab und zu eine fallen. Rüstet ihr eine Waffe aus, obwohl ihr schon über genügend Munition verfügt, wird diese in den Kategorien Schussrate, Schaden oder Munition aufgelevelt. Segnet ihr allerdings das Zeitliche wird das momentane Level des Friedensstifters wieder um eine Stufe gesenkt, also solltet ihr nicht zu ungestüm zu Felde ziehen, da euch die Gegner gegen Ende nichts schenken und eure Verbündeten nur selten eine Hilfe sind.
Vanquish ist Action von der ersten bis zur letzten Minute und schafft es während der ganzen Zeit, den Spieler mit seinem angenehm fordernden Schwierigkeitsgrad immer zum weitermachen zu motivieren. Nie kommt Frust auf, immer will man es nochmal versuchen und mit der Zeit bekommt man ein genaues Gefühl für die Energieleiste des Anzugs. Von da an erledigt ihr auch jeden noch so gigantischen Gegner auf äußerst stylische Art und Weise und selbst größte Ansammlungen von Gegnern werden ohne Problem zu Altmetall verarbeitet. Einziger Wermutstropfen ist die kurze Spieldauer, denn geübte Spieler erblicken – auf dem normalen Schwierigkeitsgrad – bereits nach 5-6 Stunden den Abspann. Dafür läuft der Spaß ohne Ruckler, die Grafik ist flüssig und die Synchro (im Original) gelungen. Bedenkt man jetzt noch den Preis, für den Vanquish inzwischen erhältlich ist, kann man sich das Spiel ohne Bedenken holen, denn es frischt ein angestaubtes Genre auf und macht Hunger auf mehr solche Paradiesvögel.
Bildquelle:
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